e. V. St.Roman Festival Baden-Baden

St. Roman Festival der ostkirchlichen Tradition 2018

Das Erbe des Heiligen Romanos: Musik und Dichtung in der Liturgie

Teilnehmer und Mitwirkende des 7. St-Roman-Festivals im Kloster Lichterthal

Badisches Tagblatt vom 2.07.2018. Von Ludwig Huber

Baden-Baden - "Zum St.-Roman-Festival in der Tradition der Ostkirchen heiße ich Sie alle sehr herzlich willkommen", so die Vorsitzende des gleichnamigen Vereins, Ulianah Nesterova, in ihren Begrüßungsworten zur Eröffnung des Festivals am vergangenen Freitagabend in Kassiansaal des Kosters Lichtenthal. Ihrer Freude über die Feierlichkeiten in ihrem Hause Ausdruck gab auch Äbtissin Bernadette Hein: "Ich habe dem Wunsch der rührigen Initiatorin gerne stattgegeben", und so seien über das Wochenende Festivalbesucher wie Aktive aus dem ganzen südwestdeutschen Sprachraum gern gesehene Gäste. "Wir freuen uns, der Theologie der östlichen Kirchen wieder ein Forum bieten zu dürfen", sagte die Äbtissin.

Romanos Melodos, ein Diakon in der damaligen frühen Kirche in Syrien, habe den Weg der Kirchen des Morgenlandes entscheidend mitgeprägt. Dessen "Gesänge - was können sie uns heute sag en" hatte sich denn auch die Hauptreferentin des Abends, Prof. Maria Duffner, in ihrem Lebenswerk Forscherin zum Heiligen Romanos, als Thema gestellt und die zahlreichen Zuhörer wurden nicht enttäuscht: Immer wieder von ansprechenden Liedvorträgen des vor erst einem Jahr gegründeten St.-Roman-Chors Mittelbaden unter Leitung von Ulianah Nesterova untermalt, zeichnete sie entlang der Heilsgeschichte des Kirchenjahres ein überaus lebendiges Bild des bald nach Konstantinopel übersiedelten Diakons.

Dort habe er wohl als Mönch gelebt und sei auch dort begraben worden. Sein Werk - zunächst vergessen und in seiner Bedeutung erst in der Folgezeit wiederentdeckt - sei von hohem literarischem wie literaturgeschichtlichem Rang. Unter seinem Namen seien etwa neunzig Hymnen überliefert, weit mehr schreibt ihm die Legende zu. "Zwar nicht beweisbar, aber der Autorenschaft nach nicht unmöglich" sei ein byzantinischer Marienhymnus, der in byzantinischer Tradition im Stehen gesungen wurde. Seine Quellen waren Bibel, Apokryphen, aber auch Märtyrer- und Heiligenviten. Der Form nach seien seine Hymnen Kontakia, also metrisch verbundene Strophen. Dabei verwendete er das Metrum älterer Kontakia oft erneut.

Der Samstagnachmittag, wiederum im Kassiansaal, war dem Musikseminar "Orthodoxie: Der rechte Lobpreis" vorbehalten. Ihn gestalteten die Referentin Prof. Maria Duffner zusammen mit Prof. Dora Doceva, und gut dreißig Musikbegeisterte ließen sich in die Geheimnisse östlicher Theologie - in ihrer Aussage eindeutig, in der musikalischen Form aber vielfältig - einführen.

Der Samstagabend war einem stimmungsvollen Konzert in der zunächst in Dunkel gehüllten Klosterkirche vorbehalten. Nach Grußworten von Äbtissin Bernadette Hein und einem erläuternden Prolog von Mitsängerin Prof. Duffner war ein akustischer Leckerbissen nach dem anderen zu vernehmen. Ob aus russischer, griechischer, rumänischer oder griechischer Tradition: Immer entlockte Dirigentin Dora Doceva, Leiterin des Vorarlberger Johannes-Chrysostomos-Chores, dem Klangkörper einfühlsam Melodien, die die Erde den Himmel berühren ließen.

Den Schlusspunkt setzte am späten Sonntagmorgen in der Fürstenkapelle des Klosters die Feier der göttlichen Liturgie im byzantinischen Ritus, aber in deutscher Sprache, der Vater Imre Georg Kisitzky, Priester der griechisch-katholischen Kirche, vorstand. Umrahmt wurde dieser Höhe- und Schlusspunkt eines denkwürdigen Festivals vom Johannes-Chrysostomos-Chor aus Vorarlberg wie vom vor einem Jahr gegründeten St. Roman-Chor Mittelbaden.


Byzantinischer St.Roman Chor Mittelbaden. Sommer 2018

Vorarlberger Johannes-Chrysostomos-Chor.

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